St. Georg im Murnauer Moos

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Ramsachkirche - Die kleinste Filialkirche

Die Ramsachkirche liegt am Nordrand des Murnauer Mooses. Sie ist das älteste Gotteshaus der Gegend und wird meist „Ähndl“ genannt, was „die Alte“ bedeutet.

An der Stelle des heutigen Altars soll sich in vorchristlicher Zeit schon ein keltischer Opferstein befunden haben.

Wie auch der Deckeninschrift zu entnehmen ist, steht hier schon seit Mitte des 8. Jahrhunderts eine Kirche. 1332 kam sie mit dem ganzen Murnauer Raum in den Besitz des Klosters Ettal. 1440 erwarb die Murnauer Katharinenstiftung die kleine Kirche, 1453 wurde die pfarrliche Versorgung an die Staffelseekirche auf der Insel Wörth übertragen. Nach Gründung der Pfarrei Murnau im Jahr 1744 wurde sie zur kleinsten der sieben Murnauer Filialkirchen und ist es noch heute.

Das Altarbild (1663), das den Kirchenpatron, den hl. Georg als reitenden Drachentöter darstellt, inspirierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Künstlergruppe „Blaue Reiter“.
Das Altarbild wird von Johannes dem Täufer (links) und der hl. Katharina von Alexandrien flankiert. Die Enthauptung dieser großen Kirchenheiligen wird im Gemälde vor dem romanischen Altarstein dargestellt.
Die im Altaraufsatz thronende Marienstatue mit Christuskind entstand zur Mitte des 14. Jahrhunderts und ist die älteste Schnitzfigur der Pfarrei.
Die roten Federblumen zwischen den Altarleuchtern sind zwei Relikte dieser einst sehr beliebten Murnauer Exportartikel.
Auch weitere spätmittelalterliche Figuren verdienen besondere Aufmerksamkeit: Die Georgs-Statue an der Südwand wurde dem Stil nach um 1500 geschaffen und zeigt den Kirchenpatron über dem Drachen thronend. Das Bildnis Jesu als Schmerzensmann an der Nordwand ist derselben Zeit zuzuordnen.
Die Bemalung der hölzernen Kanzel mit Teilen aus dem 17. und 18. Jh. zeigt bedeutende biblische Motive. So sieht man Christus als guten Hirten; mit der in den Wind gestellten Getreideschaufel wird symbolisiert, wie Gott „die Spreu vom Weizen trennt“ und die äußeren Bilder zeigen den dürren Feigenbaum, dem er wieder zu Leben verhilft.
Die beiden Glaslüster (18. Jh.) stammen aus der längst nicht mehr existierenden Glashütte des Klosters Ettal, die sich im nahen Grafenaschau befand.
Wie dem Deckengemälde zu entnehmen ist, ließ der Murnauer Magistrat um das Jahr 1740 die Ramsachkirche erneuern. Mit Geldern der Katharinenstiftung zog man eine neue Kirchendecke ein und ließ sie, wie auch die Chorbrüstung, vom Murnauer Maler Augustin Bernhard mit Szenen aus dem Leben des hl. Georg bemalen. Augustin Bernhard entwarf auch die Außenfassade, wie sie noch heute zu sehen ist.

Eine historische Kostbarkeit der Kirche ist die Eisenglocke, die rechts neben dem Altar steht. Sie ist die „sakralhistorisch bedeutendste Glocke Deutschlands“, so ein Glockensachverständiger. Es handelt sich um eine geschmiedete Eisenglocke, die iro- schottische Wandermönche Mitte des 8. Jahrhunderts als Handglocke zu Fuß vom Kloster Iona in Westschottland mitbrachten. Diese unscheinbare Missionsglocke ist die älteste Kirchenglocke auf dem kontinentalen europäischen Festland.

Von 2005 bis 2007 wurden der Innenraum der Kirche und die Ausstattung vollständig restauriert. Die Elektrifizierung ermöglichte die Installation einer Alarmanlage. Das war die Voraussetzung, damit diese kostbare alte Handglocke, die „einzigartige Stimme“ aus der frühen Christenheit, weiterhin an dem Ort bleiben kann, den die Wandermissionare vor über 1200 Jahren für sie aussuchten.

Zur Murnauer Pfarrei gehört auch das ehemalige Mesnerhaus beim Ähndl, das seit ca. 1930 eine beliebte Ausflugsgaststätte ist. Bis etwa 1970 war der Wirt auch der Mesner der Kirche.
Kirche und Mesnerhaus standen nicht immer allein da. Aus dem 15. Jahrhundert sind an diesem Platz drei Höfe namentlich überliefert, die später aus Ertragsmangel abgebrochen wurden. Neben Pesttoten sollen zuletzt im 18. Jahrhundert hingerichtete Personen im Friedhof der Kirche ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Heute erfüllt die Ramsachkirche nicht mehr die Aufgaben einer Dorfkirche, erfreut sich aber großer Beliebtheit als Ort für Taufen, Trauungen, Familienfeiern oder Andachten. Jedes Jahr am 1. Mai treffen sich Murnauer und Hechendorfer nach einem kurzen Bittgang in St. Georg, um das Patrozinium zu feiern.

 

Südansicht
Foto: Die Kirche St. Georg in Ramsach von Aussen
Foto: Das Mesnerhaus - heute eine beliebte Gaststätte
Mesnerhaus - heute eine beliebte Gaststätte
Foto: Die Kirche St. Georg in Ramsach von Aussen
Foto: Das Mesnerhaus - heute eine beliebte Gaststätte